Weihrauch vor Beginn der christlichen Zeitrechnung
Weihrauch im Neuen Testament
Christliche Riten außerhalb des Gottesdienstes
Rauhnächte als christliches Ritual
Weihrauch in der evangelischen Kirche
Fazit

Es ist uns wichtig auszudrücken, dass wir medizinische Not oder religiöse Gefühle auf keinen Fall instrumentalisieren, um unseren Verkauf zu stimulieren. Etwas über andere Kulturen und Religionen/Denkweisen zu erfahren, hat etwas Verbindendes und Schönes, daher schreiben wir darüber. Unsere Kunden sind besonders und sehr unterschiedlich. Sie kontaktieren und kaufen bei der WeihrauchWelt aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus. Wir schätzen diese Vielfalt, sind für dieses Miteinander dankbar und freuen uns über jede Form des Austauschs.

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Über die christliche / abendländische Weihrauch-Kultur gibt es bereits viele Abhandlungen und Bücher, allerdings sind uns bei der Recherche für diesen Artikel neue, vor allem unerwartete und interessante Fakten begegnet.

 

Weihrauch vor Beginn der christlichen Zeitrechnung

Weihrauch im alten Ägypten und im frühen Orient

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Schon lange vor Beginn der christlichen Zeitrechnung wurden Düfte und Duftstoffe in den verschiedenen Kulturen geehrt und vielfach genutzt. Aus dem alten Ägypten gibt es Funde, die dem Weihrauch eine immense Bedeutung beimessen. Vor gut 5000 Jahren war Weihrauch dort nicht nur ein Teil gottesdienstlicher Handlungen, sondern sein Duft eine Verkörperung der Gottheit selbst. Ferner spielte er wie auch an vielen anderen Orten der Welt eine große Rolle in der Alltagsmedizin.

Im Ursprungsland des besten Weihrauchs, in Arabien, waren an die früharabischen Tempel beim Export von Weihrauch Zölle zu entrichten, was darauf schließen lässt, dass schon in diesen polytheistischen Tempeln Weihrauch genutzt und verwaltet wurde.

 

Weihrauch im Alten Testament und im Judentum

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Etwa 1500 Jahre v.Chr. entstand das Judentum im Orient demnach in einer Umgebung, in der das Räuchern kulturell sehr vertraut war. Im Alten Testament (Ez 8) finden sich Hinweise zur Verbindung von Räucherung und Totenkult, und es werden entsprechende Gerätschaften zum Räuchern erwähnt, was auch archäologische Funde belegen.

Der Einzug des Räucherns in den JHWH-Kult (Eigenname des Gottes Israels im Tanach) ist z.B. im Alten Testament (Lev 10) im Zusammenhang mit den Geschichten um die Söhne Aarons beschrieben. So war es Aufgabe des Propheten Aaron, morgens und abends zu räuchern.

Zunächst war die Haltung zu Räucherwerk in den jüdischen Gemeinden aber eher ablehnend, da es als Neuerung der religiösen Praxis gesehen wurde. Es gab Strömungen bei den Geistlichen, die die Praxis des Räucherns von den polytheistischen Kulten zur Verehrung Jahwes übernehmen wollten, wogegen andere sich gegen diese „heidnische“ Erneuerung aussprachen.

Es gibt nur eine Stelle im Alten Testament, die dem Räuchern von Weihrauch einen bestimmten Zweck zuweist. So wird dem Weihrauch im Alten Testament (Num 17) die Funktion zugewiesen, sich „vor der direkten Begegnung Gottes zu schützen“.

 

Weihrauch bei den Griechen und Römern

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Bei den Alten Griechen wurde der Weihrauch im Gegensatz zum Orient erst später eingesetzt. Vermutlich brachten die Phönizier den Griechen etwa 700 Jahre v. Chr. den Weihrauch, um das Räucherportfolio der heimischen Kräuter um das Duftharz zu erweitern. Es wurde wahrscheinlich als Opfergabe für die Göttin Aphrodite verwendet.

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Im Alten Rom, etwa 400 Jahre später, stieß der Weihrauch auf sehr große Verehrung im öffentlichen wie privaten Leben. Kein Wunder, denn bereits etwas Weihrauch sollte die Gunst einer Gottheit sichern, die auf die „Rauchnahrung“ angewiesen sei. Bei Totenfeiern, besonders von Adligen wie zum Beispiel die Frau von Nero, wurden immense Mengen von Weihrauch dargeboten, der auch bei den Römern unvorstellbar teuer war. Weihrauch wurde bei großen Festen und zur Verehrung von Göttern und gottgleichen Personen (z.B. Kaisern) zu Lebzeiten und zur Beerdigung verwendet.

 

Weihrauch im Neuen Testament

Weihrauch hatte bereits in den Ursprüngen des Christentums seinen großen Auftritt, war er doch neben Myrrhe und Gold eines der Gaben der heiligen drei Könige. Nach dem Neuen Testament (Mt 2,11) brachten Kaspar, Melchior und Balthasar dem jungen Jesuskind die wertvollsten Geschenke seiner Zeit. In späteren Interpretationen wurde das Gold als Zeichen des Königtums, die Myrrhe als Zeichen des Todes und der Weihrauch als Zeichen der Gottheit interpretiert. Im Mittelalter wurde diese Deutung in Gedichten aufgegriffen.

Ferner wird Weihrauch im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Aufsteigen des inständigen Gebets erwähnt: „Ich sah, ein Engel kam, und er trug ein goldenes Räuchergefäß und trat vor den Altar. Und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben (…) Und der Duft des Räucherwerkes stieg durch die Gebete der Heiligen und aus der Hand des Engels zu Gott empor.“ (Offb 8, 3-4)

Wie bereits die israelitischen Propheten kritisierte auch Jesus die Fixierung auf kulthaftes Handeln. Dazu gehörte damals auch Weihrauch. Jesus verbot ihn aber nicht, sondern sprach sich für eine Verlagerung der religiösen Energien aus. Das heißt, dass das Räuchern kein kulthaftes Handeln war, wenn es ersatzweise für religiöse Tugend gelebt wurde. Der Gedanke des Opfers war ebenfalls akzeptiert.

Dennoch finden sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums viele dem Kult und somit Weihrauch gegenüber kritische Passagen. Weihrauch wurde genutzt, es wurde aber von kirchlicher Seite eine reflektierte Haltung der Räuchernden erwartet. Zwar begangen sie eine ähnliche Handlung wie die an die Vielgötterei Glaubenden, aber mit einer anderen inneren Absicht. Auf diese Absicht kommt es auch nach Tertullian (christlicher Schriftsteller) an. Clemens von Alexandrien (griechischer Theologe und Kirchenschriftsteller) erklärte Räucherwerk schließlich „als vielstimmiges Gebet, das Menschen vieler Völker und Sprachen im Lobe Gottes eint.“

 

Weihrauch in christlichen Gebeten

Der jüdische Gottesdienst, in dem Weihrauch eine feste Rolle spielte, hat auch den christlichen stark geprägt. So mischten sich diese beiden Religionen in der frühchristlichen Gebetspraxis.

Ein originärer Weihrauchritus der Christen findet sich in Psalm 141, Vers 2: „Mein Bittgebet sei ein Räucheropfer vor deinem Angesicht, ein Abendopfer das Erheben meiner Hände.“ Auch ein koptisches Darbringungsgebet enthält mitunter folgende Zeilen: „Wir bitten dich, Herr, nimm unsere Bitten an, lass unser Gebet wie Weihrauch vor dir aufsteigen, und das Erheben unserer Hände sei dir wie ein Abendopfer.“ Neben dem Abendgebet wurde Weihrauch auch in den Morgengebeten eingesetzt.

Es gibt aus dem 11. Jahrhundert Belege für Weihrauchgebete, also die Segnung des Weihrauchs selbst. Der Segensbringer soll selbst gesegnet werden, um seinen Zweck zu erfüllen: „Segne, Herr, diesen Weihrauch oder das Rauchwerk, von dir geschaffen, und gewähre, dass es dir annehmbar ist zum wohlgefälligen Geruch.“

Von diesen Gebeten gibt es unzählige Varianten in den verschiedensten Sprachen. Die Annahme der Gebete (das Aufsteigen zum Schöpfer), die Reinigung und die Vergebung sind die zentralen Inhalte solcher Gebete. Andere Gebete im Rahmen von christlichen Liturgien und im Brauchtum thematisieren die Vertreibung des Bösen durch Weihrauch sowie die Reinigung vom Unheil.

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Weihrauch in christlichen Messen

Als das Christentum die Jahrhunderte der Verfolgung überstand, kamen kultische Handlungen zum Ablauf der Gottesdienste hinzu. Früher verpönt als Huldigung und Zeichen der Vielgötterei, änderte sich die Sichtweise, als Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erklärte und somit eine Reihe von Formalien und Ritualen der römischen Kaiserzeit auf christliche Würdenträger übergingen. Der Jahrhunderte zuvor kritisch beäugte Weihrauch nahm nun seinen Platz als Opfergabe und Statussymbol ein. Der Gläubige schenkte oder opferte Weihrauch in der Erwartung von Vergebung. Etwa im Jahre 350 n. Chr. hatte Weihrauch seinen festen Platz in den gottesdienstlichen Handlungen gefunden. Da die Kaiser mit Weihrauch gehuldigt wurden, war es nötig, dass der Papst, der ja über den weltlichen Herrschern stand, ebenso von diesen Statussymbolen begleitet wurde.

Der Weihrauch als ursprünglich orientalischer Ritus erhielt also über das Räucheropfer, als Zeichen der Reinigung und letztendlich der Ehrerbietung Einzug in christliche Liturgien.

Seit dem 7. Jahrhundert wird Weihrauch bei der Einzugsprozession im Rahmen der katholischen Messe geräuchert. Während der Weihrauch zu Beginn nur den Pontifex ehrte, ging diese Ehrung auf immer mehr Würdenträger über. Neben der Ehrung erfüllte der Weihrauch aber auch eine zweckmäßige Reinigung und Beduftung der religiösen Räumlichkeiten und der Besucher (Personeninzens).

Später wurde Weihrauch je nach Region unterschiedlich verwendet, u.a. auch zur Altarweihe. Über die Jahrhunderte etablierte sich Weihrauch in den verschiedensten Formen als Teil der Liturgien.

Qualität und Reinheit des Weihrauchs war der Kirche stets wichtig, wogegen aber natürlich der weltliche, sehr hohe Preis stand. Daher legte das Trienter Caeremoniale im Jahr 1984 fest: „Die Materie aber, die in das Rauchfass hineingelegt wird, muss einzig und allein reiner Weihrauch sein, oder wenn andere Materialien hinzugegeben werden, möge beachtet werden, dass die Menge des Weihrauchs weit größer sei.“

Leider wird dies heute selten beherzigt, was auch immer wieder negativ auf den Weihrauch zurückfällt, obwohl der oft nicht so angenehme Duft von Kirchenweihrauch und seine ungewünschte Wirkung wie Atemnot oder Übelkeit am synthetischen und billigen Material liegt und nicht am Weihrauch selbst.

In den 1960er Jahren entschwand Weihrauch im Zuge der 2. Liturgiereform des Vatikans und der damit verbundenen Änderungen der gottesdienstlichen Handlungen zeitweise aus der Kirche. Unter Besinnung auf Psalm 141 kann man heute aber eine verstärkte Wiedererweckung des Weihrauchs feststellen. Ein größeres „Comeback“ ist also nicht auszuschließen.

 

Christliche Riten außerhalb des Gottesdienstes

In der Antike wurde Weihrauch an sehr vielen Orten als fester Bestandteil des Totenkultes und zum Begräbnis eingesetzt. Dokumente um das 3. Jahrhundert bezeugen, dass dieser Ritus von christlicher Seite mehr oder weniger kritisch übernommen wurde. So begleitete Weihrauch triumphale Begräbniszüge und wurde zudem zur Balsamierung und als Grabbeigabe verwendet. Diese Praxis erstreckte sich über viele Jahrhunderte, und Quellen aus dem 15./16. Jahrhundert berichten nach wie vor von der Beräucherung der Leichen sowie der Räucherung rund um den gesamten Bestattungsprozess. Ein damaliges Begleitwort zur Einsenkung lautete: „Mit himmlischem Tau lasse der Herr eure Herzen durchströmen. Mit himmlischem Duft nähre eure Seelen der Herr.“

Es gibt unzählige christliche Rituale, in denen Weihrauch über die Jahrhunderte zum Einsatz kam: z.B. Altar- und Kirchenweihungen, Grundsteinlegungen. Weihung religiös relevanter Orte, Weihung von Kirchturmglocken sowie Segnungen von Kreuzen, Bildern, Gräbern und ganzen Friedhöfen.

 

Rauhnächte als christliches Ritual

Ein besonderer Brauch der Haussegnung stellen die sogenannten Rauhnächte dar, die schon seit vielen Jahrhunderten besonders in Deutschland praktiziert werden. Die 12 Rauhnächte, die längsten Nächte des Jahres um Weihnachten und den Dreikönigstag, geben aufgrund der Dunkelheit am meisten Anlass, böse Geister zu fürchten. So wird in diesen Nächten abends das Haus/der Hof beräuchert, gebetet und die Räume mit Weihwasser gesprenkelt, teilweise auch im Freien begleitet von Kerzenlicht. Mit den Räuchergefäßen wird das Kreuzsymbol gezeichnet.

Es lässt sich leicht erahnen, dass es sich bei den Rauhnächten um ältere, nicht originär christliche Riten handelt. Wie Quellen aus dem 15. Jahrhundert belegen, wurden diese aber von der Kirche toleriert und finden heute wieder zunehmend Beachtung.

Ein ähnlich markanter Brauch ist das Einfügen von fünf Weihrauchkörnern in die Osterkerze, die dabei eine Kreuzform bilden.

 

Weihrauch in der evangelischen Kirche

Als sich die Kirche im 14. und 15. Jahrhundert teilte, veränderten sich auch viele Bräuche, insbesondere bei den Evangelisten. Weihrauch wurde von Luther nicht verboten, nahm aber auch keine zentrale Rolle ein bzw. seine Verwendung wurde nicht als Voraussetzung religiöser Rituale festgelegt.

Es ging mehr um den Glauben und die Bibel selbst als um Symbolik. Auch heute sind Weihrauch und Räucherinstrumente in den evangelischen Kirchen viel seltener als in den katholischen anzutreffen. Es war und ist den einzelnen Kirchengemeinden freigestellt, Weihrauch nach eigenem Ermessen und Geschmack einzusetzen.

 

Fazit

Weihrauch ist und bleibt Bestandteil der christlichen Praxis und des religiösen Brauchtums im Christentum wie auch in anderen Religionen oder Ideologien.

Welcher Weltanschauung Sie auch immer folgen, wir von der WeihrauchWelt wünschen uns, dass Weihrauch Ihnen viel Gutes, besondere Momente und ganzheitliches Wohlbefinden schenkt.

 

Eine wichtige Quelle für diese Abhandlung ist das Buch „Der Weihrauch“ von Michael Pfeifer, das sehr umfassend und fachlich zu dem Themenbereich beiträgt.

 

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