Unwetter im Oman bedrohen die Weihrauchernte

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Ein Zyklon namens Luban und was Wasser für den Weihrauch bedeutet

Der Oman ist dieses Jahr leidgeprüft von verschiedenen Naturgewalten. Nachdem bereits Ende Mai 2018 ein Wirbelsturm die Region heimsuchte, Zerstörung anrichtete und Menschenleben kostete, folgte im Oktober 2018 der Zyklon Luban. Luban ist das arabische Wort für Weihrauch, welch eine Ironie.

Neben anderen Orten, Ländern und Inseln ist auch der Süden des Omans, die Region Dhofar mit ihrer Hauptstadt Salalah, betroffen. Diese Stadt mit wenigen hunderttausend Einwohnern ist das Zentrum der wohl berüchtigtsten Weihrauchregion der Welt und spielt deshalb für viele eine große Rolle. Das bekannte Weihrauchgebiet Hogari/Hojari befindet sich ebenfalls in der Region Dhofar.

Die Naturkatastrophen häufen sich

Natürlich kann der Oman als vergleichbar reiches Land diesen Katastrophen andere Mittel entgegensetzen als arme Inselstaaten. In erster Linie geht es um die Menschen vor Ort, mit denen wir mitfühlen, auch wenn wir uns zugleich um den Weihrauch sorgen.

Von den Naturkatastrophen ist auch ein Jahrtausende altes Naturerbe betroffen: der Weihrauchbaum. Weihrauchbäume sind sehr speziell und haben Charakter. So dulden sie z.B. keine direkte Konkurrenz um sich herum und wachsen an sehr verwegenen Orten wie Felsklippen, was die Ernte schwer und gefährlich macht. Sie mögen Hitze und keinen Wind. Sie werden hunderte Jahre alt und sondern erst nach einigen Jahrzehnten das wertvolle Harz Boswellia sacra ab.

Plantagenanbau des Weihrauchbaums

Versuche, diese Bäume in Plantagen anzubauen, schlugen fehl. Die Bäume wachsen zwar, geben aber kein oder kaum Harz ab. Je nach Standort wechselt die Qualität des Harzes. Ist der Baum zu nah an der Küste, ist das Harz deutlich minderwertiger, z.B. durch eine bittere Note.

Das Gebiet Hojari

Das omanische Gebiet Hogari/Hojari ist wie Darjeeling für den Tee oder die Provence für den Lavendel. Dort bezieht die WeihrauchWelt ihren Schatz in wochenlanger anspruchsvoller Arbeit vor Ort, um Weihrauch zur besten Erntezeit, in der besten Region mit bester Selektion bei menschlich und wirtschaftlich passenden Händlern zu beziehen. Danach folgt Sortierung, Reinigung etc. Der Aufwand ist enorm, und so ein Vorgehen ist mehr Liebhaberei und Wertschätzung eines solchen Schatzes als pures Geschäft.

Warum kommt der beste Weihrauch der Welt aus dieser Region?

Es sind die einzigartigen klimatischen und geologischen Bedingungen. Dazu gehört die Sonne, der kalkhaltige Boden, die Temperaturen und vor allem die einzigartige Kombination der Niederschläge. Der Oman ist ein Wüsten- und Gebirgsstaat und dementsprechend heiß und trocken. Allerdings verwandelt der jährliche „Khareef“ den Süden in eine grüne Oase. Wie mit dem Schalter schlagen das Klima und die Niederschläge um und verwandeln die ganze Region. Dieses Naturschauspiel ist einzigartig in der Region und lockt viele Besucher aus den reichen Golfstaaten an.

Durch die Abwechslung von Trockenheit und Luftfeuchtigkeit entstehen unterirdische Flüsse in den Felsen, die wiederum Quellen an verschiedensten Orten in Wasserfälle verwandeln. Diese klimatische Besonderheit ist wohl der Hauptgrund  für die Qualität des Weihrauchs.

Und genau dieses Gleichgewicht ist im Jahr 2018 massiv gestört. Wenn man den Oman bereist, sieht man überall bauliche Maßnahmen, die die Wassergewalten, die sich bei Niederschlägen bilden, ableiten können. Brücken und Straßen sind mit Abflusskanälen durchzogen, damit sie nicht fortgerissen werden. Der Oman ist ein Land der Wadis (Täler), die wie ein große Wasserrutsche wirken, wenn das Wasser aus den Bergen kommt. In der trockenen Zeit fährt man durch die Wüste und sieht neben Kamelen rote Markierungen am Straßenrand, die anzeigen, ab welcher Wasserhöhe Pkws nicht mehr passieren können. Das scheint in der Trockenheit absurd und schwer vorstellbar.

Die jetzige Situation ist aber noch viel schlimmer als die üblichen Niederschläge. Es gibt große Schäden, Ernteausfälle und überwiegend Ernten mit schlechter Qualität. Wegen der plötzlichen Knappheit und der großen Nachfrage, die auf ein sehr eingeschränktes Angebot trifft, ist das hochwertigere Harz sprunghaft im Preis gestiegen. Es gibt keinen Ersatz für omanischen Weihrauch aus dieser kleinen Region Hogari. Es ist ein Segen, dass wir von der herausragenden Ernte vom letzten Jahr große Mengen sichern konnten, noch bevor diese harten klimatischen Herausforderungen begannen. Dafür sind wir sehr dankbar. Die Katastrophe hätte auch uns und somit unsere Kunden schwer treffen können. Es macht Sinn, in verschiedenste knappe Rohstoffe zu investieren, auch wenn das aus verschiedenen Gründen nicht immer leicht ist. Im Gegensatz zu Adlerholz ist die Situation bei Weihrauch aber noch erträglich.